Wirtschaft und Wettbewerb
Stand: August 2015

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WUW vom 07.08.2015, Heft 07-08, Seite 716 - 732, WUW0694413
Wirtschaft und Wettbewerb > Abhandlung > Aufsatz

Zur Nachfragemacht von Unternehmen des Lebensmitteleinzelhandels

Über den Einfluss von Unternehmensgröße im Handel auf die Einkaufskonditionen

Rainer Lademann, Hamburg

Prof. Dr. Rainer Lademann, Managing Partner of Lademann & Associates GmbH Economists and Competition Consultants, Hamburg, Honorarprofessor an der Georg-August-Universität, Göttingen.

Der Beitrag untersucht aus Anlass der Sektoruntersuchung Lebensmitteleinzelhandel (LEH) des Bundeskartellamts wettbewerbsökonomische Ansatzpunkte zur Erfassung von Nachfragemacht. Diese Erfassung kann nicht gelingen, wenn – wie in der Sektoruntersuchung geschehen – als Ausgangspunkt eine Definition zugrunde gelegt wird, bei der praktisch jedes Konditionenzugeständnis gegen den Widerstand des Lieferanten als Nachfragemacht inkriminiert wird. Die Sektoruntersuchung lässt offen, inwieweit Konditionenverbesserungen über Effizienzgewinne des Lieferanten hinausgehen, keine marktimmanenten Ursachen haben oder im Einzelfall auch aus der gegen Widerstand durchgesetzten Erosion von Angebotsmacht resultieren. Werden diese Gründe für Konditionenverbesserungen nicht vom Nachfragemachtbegriff abgegrenzt, kann im Sinne eines an der Konsumentenwohlfahrt orientierten Wettbewerbsrechts auch nicht beurteilt werden, inwieweit die Konzentration im LEH bereits ein kritisches Maß überschritten hat. In einem Exkurs zeigt der Beitrag außerdem die Bedeutung des internen Wachstums (Standortexpansion) für die Wirksamkeit des Absatz- und Beschaffungswettbewerbs auf. WUW 07-08/2015 S. 717

Artikel-Inhalt

  • I. Vorbemerkungen
  • II. Unternehmensgröße in der Nachfragemachtdiskussion
    • 1. Nachfragemacht und Strukturwandel im LEH
    • 2. Konditionen und Unternehmensgröße
    • 3. Wasserbett- und Spiraleffekt
  • III. Zur Zielsetzung der Sektoruntersuchung
  • IV. Der Erklärungsbeitrag der Sektoruntersuchung zum Verhandlungsergebnis
    • 1. Zur Validität des Untersuchungsansatzes
    • 2. Zur Stichprobe der Sektoruntersuchung
    • 3. Unberücksichtigte Einflussfaktoren
  • V. Zur Relevanz zweckmäßiger Begriffsdefinitionen für die rechtliche Erfassung von Nachfragemacht
  • VI. Ansatzpunkte für eine kartellrechtskompatible Bestimmung von Nachfragemacht
  • VII. Zur Bedeutung des Baurechts für den Wettbewerb im LEH
    • 1. Standort- und Flächenexpansion und Nachfragewettbewerb
    • 2. Einfluss des Bauplanungsrechts auf kleinräumige Wettbewerbsstrukturen
  • VIII. Schlussbemerkungen

I.Vorbemerkungen

Am 17.10.2014 hat das Bundeskartellamt die Ergebnisse seiner Sektoruntersuchung „Lebensmitteleinzelhandel – Darstellung und Analyse der Strukturen und des Beschaffungsverhaltens auf den Märkten des Lebensmitteleinzelhandels in Deutschland“ veröffentlicht. Auf Basis einer umfangreichen Datenerhebung hat das Bundeskartellamt nach gut drei Jahren die Hauptergebnisse seiner ökonometrischen Analyse sowie einer deskriptiven Untersuchung mehrerer Produktmärkte vorgelegt. Auch aufgrund der darin nach Auffassung des Amtes nachgewiesenen Abhängigkeit der Einkaufspreise von der Größe des Einkaufsvolumens sei bei Fusionen mit Beteiligung der großen Vier des Lebensmittelhandels (i. F. LEH) – die Edeka-Gruppe, die Rewe-Gruppe, die Schwarz-Gruppe (Kaufland, Lidl) und die Aldi-Gruppe (Aldi Nord und Süd) – mit

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